Diversity: Nur ein Zeichen setzen ist nicht genug

Diversity: Nur ein Zeichen setzen ist nicht genug

„Die besten Lösungen entstehen dann, wenn man Menschen zuhört, die anders aussehen, eine andere Herkunft oder Denkweise haben."
Ein Einblick, wie es um Diversity in deutschen Unternehmen steht.

Die aktuellen Entwicklungen um Fremdenhass und Diskriminierung lassen die Debatte um Diversity wieder neu aufleben. Scheinbar sind Toleranz und Gleichberechtigung immer noch keine Selbstverständlichkeit – sowohl im gesellschaftlichen Leben als auch im Arbeitsleben. Laut einer Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) kann fast die Hälfte der LGBTI-Menschen (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersexual) ihre Orientierung nicht offen ausleben. Das schlägt sich auch im Arbeitsleben nieder: Einer Online-Befragung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Deutschland zufolge halten ein Drittel der Menschen, die schwul oder lesbisch sind, 56 Prozent aller Menschen, die bisexuell sind, und 70 Prozent der Menschen, die transsexuell sind, ihre sexuelle Orientierung am Arbeitsplatz geheim.

Diversity in Führungsetagen praktisch nicht vorhanden

Während Teams am Arbeitsplatz bunter und vielfältiger aussehen als noch vor zehn Jahren, werden die Führungsetagen in deutschen Unternehmen immer grauer. Laut Handelsblatt sind die leitenden Positionen in den meisten deutschen Unternehmen immer noch mit deutschen Männern im fortgeschrittenen Alter besetzt. Dem aktuellsten Bericht des Bundesfamilienministeriums zu Folge, ist der Anstieg von Frauen in Führungspositionen nur marginal. 80 Prozent der Unternehmen haben gar keine Frau im Vorstand. Die Annahme der Bundesfamilienministerin ist, dass es nichts bringt, auf Freiwilligkeit zu setzen, sondern nur der politische Druck in Form einer Quote zu einem Anstieg von Frauen in Führungspositionen führt. Das belegen aktuelle Beispiele aus der Wirtschaft.

Diese Diskrepanz ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der Fachkräfte überzeugt davon ist, dass vielfältige Teams besser arbeiten als heterogene.

Diversity Management hat einen positiven Einfluss

All diese Zahlen wirken ziemlich ernüchternd – gerade, weil sich derzeit so viele Unternehmen Diversität auf die Fahnen schreiben und mit Internationalität und Vielfalt werben. Diese Diskrepanz ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der Fachkräfte überzeugt davon ist, dass vielfältige Teams besser arbeiten als heterogene. Wie eine Studie von der Handelsblatt Media Group und Stepstone herausgefunden hat, glauben über 70 Prozent der Befragten an einen großen positiven Einfluss des sogenannten Diversity Managements auf die Wirtschaft.

Das sollte ein Anstoß für alle Unternehmen und Organisationen sein, einen Diversity Check durchzuführen und zu überprüfen, ob genügend Vielfalt in ihren Teams steckt, um gemeinsam die kreativsten und besten Lösungen erarbeiten zu können.

Wenn Unternehmen zukünftig produktiv bleiben und als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden möchten, kommen sie nicht mehr um Diversität herum.

Code of Conduct bei OTRS

So unterschiedlich wie Unternehmen sind, kann auch die Herangehensweise an Diversität ganz verschieden aussehen. Es muss nicht immer gleich eine Quote sein. Ein gutes Beispiel für einen Anfang auf dem Weg zu einer idealen Diversity-Strategie setzt die OTRS Group mit dem sogenannten Code of Conduct. Hier ist unter anderem schriftlich geregelt, dass alle und insbesondere personalbezogene Entscheidungen frei von jeder Diskriminierung zu treffen sind und diskriminierendes Verhalten aus Gründen der ethnischen Herkunft, Nationalität, des Geschlechts, der Schwangerschaft oder Elternschaft, des Familienstandes, des Alters, einer Behinderung, der Religion oder Weltanschauung, der sexuellen Orientierung oder aus anderen Gründen nicht geduldet wird. Der Code of Conduct wird von allen Mitarbeitern inklusive des Vorstands unterschrieben. Das gibt gleich beim Jobstart ein gutes Gefühl in Hinblick auf Vielfalt und Toleranz.

Die Synergien, die im Austausch mit vielfältigen Menschen entstehen, machen die Erweiterung des eigenen Horizonts am besten möglich.

Das Privatleben am Arbeitsplatz zu verschweigen macht nicht glücklich

Neben der allgemeinen Annahme, dass diverse Teams viel bessere Entscheidungen treffen als homogene Teams, können Menschen die besten Ergebnisse liefern, wenn sie das Gefühl haben, nichts verstecken zu müssen und ihr Gesamt-Ich zeigen können. Aber dieses Gefühl gehört scheinbar immer noch nicht zum Arbeitsalltag: Nicht nur LGBTI-Menschen verstecken ihre Gesinnung wie eingangs erwähnt. Immer wieder höre ich, dass Mütter ihre Kinder in einem Bewerbungsprozess verschweigen – aus Sorge, den Job deshalb nicht zu bekommen, oder dass Frauen eine Schwangerschaft aus Angst vor möglichen Nachteilen bis zum letzten Moment geheim halten.

Und mal abgesehen von Zahlen, Quoten und Ergebnissen: Ich habe in Teams mit nur Männern und nur Frauen gearbeitet, in internationalen und rein deutschen Teams – und muss sagen, dass es in gut durchmischten Teams einfach am meisten Spaß macht. Die Synergien, die im Austausch mit vielfältigen Menschen entstehen, machen die Erweiterung des eigenen Horizonts am besten möglich.

Ich bin froh, guten Gewissens am Arbeitsplatz sagen zu können, dass ich am Nachmittag das Büro bzw. Home Office verlasse, um mit meiner kleinen Tochter in den Park gehen zu können. Das gibt mir Raum für neue kreative Ideen, die sich nicht am Bildschirm finden lassen. Auch im Dialog mit einer Vierjährigen lassen sich neue Ansätze finden, auf die man sonst nie gekommen wäre.

Wie schon Barack Obama gesagt hat: „Die besten Lösungen entstehen immer dann, wenn man Menschen zuhört, die anders aussehen, eine andere Herkunft oder Denkweise haben.“

Text:
Photos: Sharon McCutcheon auf Unsplash

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