Ist die Vorliebe für Remote Work eine Generationsfrage?

Ist die Vorliebe für Remote Work eine Generationsfrage?

Die jüngere Generation liebt es, von zu Hause oder unterwegs zu arbeiten, während sich die ältere Generation mit der modernen Kommunikation eher schwer tut und lieber den Weg ins Büro antritt. So das Klischee. Aber trifft das wirklich zu? Hier ein Blick durch die Generationenbrille auf unsere aktuellen Studienergebnisse.

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Der durch Corona bedingte Lockdown hat für einen nachhaltigen Wandel in der Arbeitswelt gesorgt. Remote Work hat sich bei vielen zum Dauerzustand etabliert. Für die einen bedeutet das eine hervorragende Möglichkeit, Karriere und Familie besser zu vereinbaren, für andere ist es aufgrund der Monotonie jedoch eher eine frustrierende Situation.
Laut einer Umfrage unter 500 Angestellten weltweit würden 41 Prozent der Befragten auch nach der Coronakrise gern permanent aus dem Home Office arbeiten. Das ist zwar ein großer Teil, aber es zeigen sich auch viele Mitarbeiter zögerlich und bevorzugen nach wie vor den traditionellen Gang ins Büro.

Aber wer genau sind denn nun die Verfechter des Home Office? Und wer verbringt seinen Arbeitsalltag lieber am gewohnten Schreibtisch im Büro? Hat das mit dem Alter zu tun? Treffen hier die gewohnten Klischees zu, die sagen, dass die „ältere“ Generation die größten Schwierigkeiten mit der digitalen Vernetzung hat?

Ein Blick auf die verschiedenen Generationen auf dem Arbeitsmarkt

Die Babyboomer, geboren zwischen 1946 und 1964 (heute 56-74 Jahre), waren die erste Nachkriegsgeneration nach dem zweiten Weltkrieg. Sie gelten im Arbeitsleben als sehr strukturiert und teamorientiert. Ihre Motivation ist das Gefühl, gebraucht zu werden. Das Kommunikationsmedium dieser Generation ist das Telefon.

Die Generation X, geboren zwischen 1965 und 1979 (heute 41-55 Jahre), hat erstmals die Wirtschaftskrise miterlebt und wurde in ihrer Kindheit von der hohen Scheidungsrate ihrer Eltern geprägt. Sie zeichnen sich im Arbeitsleben als ergebnisorientiert und technisch versiert aus und legen Wert auf möglichst große Freiheit in der Arbeitsgestaltung. Ihr Kommunikationsmedium ist die E-Mail und das Mobiltelefon.

Die Generation Y, geboren zwischen 1980 und 1993 (heute 27-40 Jahre), hat die Jahrtausendwende bewusst miterlebt und ist geprägt von Internetboom und Globalisierung. Die in diesem Zeitraum Geborenen gelten als Meister im Multitasking und sind überzeugt davon, dass Arbeit in erster Linie Spaß machen soll. Die Karriereleiter raufklettern ist ihnen nicht ganz so wichtig, viel mehr zählt Selbstverwirklichung und Vernetzung. Ihr Kommunikationsmedium ist das Web 2.0.

Die Generation Z, geboren zwischen 1994 und 2010 (heute 10-26 Jahre) hat die Digitalisierung des Alltags bereits komplett in ihr Leben integriert und wird auch als „Digital Native(s)“ beschrieben. Selbstverwirklichung wird dabei nicht nur in der Arbeit gesucht, sondern vor allem in der Freizeit und in sozialen Kontakten. Remote Working wird für diese Generation absolut selbstverständlich, da sie durch die Coronakrise geprägt wurde.

Anhand der beschriebenen Affinitäten zu Motivationen und Digitalisierungen würde man nun davon ausgehen, dass die Babyboomer und die Generation X, die größten Schwierigkeiten mit dem Home Office haben, während die Generationen Y und Z Remote Work als absolute Selbstverständlichkeit sehen.

Stimmen die Klischees zum Remote Work?

Anhand der beschriebenen Affinitäten zu Motivationen und Digitalisierungen würde man nun davon ausgehen, dass die Babyboomer und die Generation X, die als primäres Kommunikationsmittel das Telefon und E-Mail während der Arbeit nutzen, die größten Schwierigkeiten mit dem Home Office haben, während die Generationen Y und Z Remote Work als absolute Selbstverständlichkeit sehen, da sie alle virtuellen Kommunikationsmittel bereits voll in ihre Arbeitsweise integriert haben.

Ein Blick auf die Umfrageergebnisse der Generationen X und Y: Klischees treffen nicht zu

Tatsächlich hat unsere Umfrage folgende Ergebnisse ergeben: Unter den in Deutschland befragten 45-54jährigen (Generation X) haben 61 Prozent ausgesagt, dass sie es gewohnt sind, von zu Hause zu arbeiten. Stellt man die 25-34jährigen (Generation Y) dagegen, sagt die Mehrheit der Befragten (59 Prozent) erstaunlicherweise, dass es eher eine ungewohnte Situation sei, von zu Hause zu arbeiten. 89 Prozent der Generation X geben an, die Arbeit von zu Hause zu genießen, während dies nur 70 Prozent der Generation Y so sehen.

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In weiteren Punkten sind sich die beiden Generationen sehr ähnlich: Die Mehrheit gibt als größten Vorteil des Home Office an, Fahrtwege zu sparen und damit wichtige Zeit für Familie und/oder Freizeit gewinnen zu können (Generation X: 87 Prozent, Generation Y: 79 Prozent). Außerdem gibt ein Großteil beider Generationen an, im Home Office genauso produktiv oder produktiver arbeiten zu können als im Büro (Generation X: 65 Prozent, Generation Y: 78 Prozent).

Wie der Generationenvergleich zeigt, treffen tradierte Denkmuster an dieser Stelle nicht zu. Gerade die ältere Generation genießt das Arbeiten von zu Hause, arbeitet zu Hause genauso produktiv oder produktiver – und tut sich offensichtlich nicht schwer mit digitaler Transformation und innovativen Kommunikationsmitteln.

Fazit: Trotz der generationsübergreifenden Vorliebe für Remote Work, Nachteile im Auge behalten und angehen

Die Ergebnisse zeigen also, dass die Vorliebe für Remote nichts mit dem Alter zu tun hat und eher persönlich oder situationsbedingt ist.
Trotz der Präferenzen, die Remote Work scheinbar generationsübergreifend bringt, ist es für Unternehmen wichtig, auch die Nachteile im Auge zu behalten und Angestellte im langfristigen Home Office zu unterstützen. Die Option zum regelmäßigen persönlichen Austausch sollte durch virtuelle Kaffeepausen etabliert werden. Außerdem sind regelmäßige Feedback-und Entwicklungsgespräche nötig, denn die geringere Visibilität von Mitarbeiter(Innen) kann sich in vielen Unternehmen negativ auf die Entwicklung auswirken.
Zusätzlich sollte die digitale Transformation im Unternehmen fortgeschritten und durchdacht sein, so dass Kommunikation und Prozessabläufe effizient bleiben…

Und? Welcher Generation gehören Sie an – und treffen die Klischees auf Sie zu? In jedem Fall wünschen wir Ihnen viel Spaß beim (mobilen) Arbeiten.

Text:
Photos: Andrea Piacquadio von Pexels

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